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Abfahrtskontrolle: Die Routine vor jeder Fahrt

Abfahrtskontrolle: Die Routine vor jeder Fahrt

Christopher Röskes

·

23 Oct, 2026

23 Oct, 2026

·

5 Min. Lesezeit

5 Min. Lesezeit

LKW-Fahrer prüft mit einer Checkliste den Vorderreifen seines LKW vor der Abfahrt
Bevor du morgens losfährst, musst du deinen LKW prüfen. Hier erfährst du, was dazugehört, wie lange das dauert und warum es dich selbst schützt.
TL;DR

Die Abfahrtskontrolle ist gesetzlich vorgeschrieben und gilt vor jeder Arbeitsschicht. Dabei prüfst du unter anderem Beleuchtung, Bremsen, Reifen, Ladung, Spiegel und Fahrtenschreiber. Plane dafür rund 15 Minuten ein, denn die Zeit zählt zur Arbeitszeit und wird im Fahrtenschreiber festgehalten.

Was ist die Abfahrtskontrolle?

Mit der Abfahrtskontrolle prüfst du, ob dein Fahrzeug und deine Ladung sicher sind, bevor du dich auf den Weg machst. Sie ist gesetzlich vorgeschrieben, und zwar für jede einzelne Schicht.

Dahinter stehen zwei Regeln. Laut Straßenverkehrs-Ordnung musst du als Fahrer dafür sorgen, dass Fahrzeug, Zug und Ladung vorschriftsmäßig sind (§ 23 StVO). Damit ist auch klar, dass der Anhänger oder Auflieger genauso dazugehört wie die Zugmaschine. Genauer wird die Unfallverhütungsvorschrift der Berufsgenossenschaften (DGUV Vorschrift 70, § 36): Vor Beginn jeder Arbeitsschicht prüfst du, ob die Betätigungs- und Sicherheitseinrichtungen funktionieren, und auch während der Fahrt behältst du im Blick, ob dir Mängel auffallen.

Morgens einmal kurz drüberschauen und den Rest des Tages nicht mehr daran denken, reicht also nicht. Die Aufmerksamkeit begleitet dich durch die ganze Schicht.

Was prüfst du bei der Abfahrtskontrolle?

Am einfachsten ist es, wenn du einmal komplett um den LKW herum gehst und danach ins Fahrerhaus steigst. Viele erfahrene Fahrer machen den Rundgang sogar zweimal, einmal links herum und einmal rechts herum. Beim zweiten Mal fällt oft genau das auf, was beim ersten Durchgang durchgerutscht ist. Diese fünf Bereiche solltest du dir dabei ansehen:

1. Beleuchtung

Vorne prüfst du Abblendlicht, Fernlicht, Blinker und Warnblinker, hinten Rücklichter, Bremslichter, Kennzeichenbeleuchtung und Begrenzungsleuchten. Achte auch darauf, dass die Reflektoren sauber sind. Die Bremslichter prüfst du am besten mit einem Kollegen oder über die Spiegelung in einer Scheibe.

2. Bremsen, Reifen und Luftdruck

Schau dir die Reifen auf Schäden und Profiltiefe an, prüf den Luftdruck und kontrollier die Radmuttern. Im Fahrerhaus machst du dann eine Bremsprobe und wirfst einen Blick auf die Druckanzeige. Wenn eine Warnlampe leuchtet, fährst du nicht einfach los, sondern klärst erst, was dahintersteckt.

3. Ladung und lose Gegenstände

Prüf, ob die Ladung richtig gesichert ist, also ob Gurte, Ketten, Antirutschmatten und Verriegelungen sitzen. Und auch im Fahrerhaus sollte nichts herumliegen, was dir bei einer Vollbremsung um die Ohren fliegt.

4. Spiegel, Scheiben und Sitz

Die Spiegel sollten sauber und richtig eingestellt sein, die Frontscheibe frei und die Scheibenwischer in Ordnung. Stell dir Sitz und Lenkrad so ein, dass du alle Pedale und Anzeigen bequem erreichst.

5. Fahrtenschreiber und Papiere

Prüf, ob der Fahrtenschreiber funktioniert, deine Fahrerkarte steckt und genug Papierrollen für den Ausdruck an Bord sind. Fahrzeugpapiere, Frachtpapiere und Warnweste sollten griffbereit liegen.

Im Winter kommt noch einiges dazu: Winterreifen oder Schneeketten, Frostschutz im Kühler und in der Scheibenwaschanlage und ein Eiskratzer. Und bevor du losfährst, müssen Schnee und Eis vom Dach und von der Plane runter.

Wie lange dauert die Abfahrtskontrolle?

Eine feste Mindestdauer schreibt das Gesetz nicht vor. Aus der Praxis gibt es aber einen Richtwert: Für eine gründliche Kontrolle solltest du rund 15 Minuten einplanen. Mit der Zeit bekommst du Routine und wirst schneller, die Sorgfalt sollte dabei aber nicht auf der Strecke bleiben.

Wichtig für deinen Arbeitstag ist, dass die Abfahrtskontrolle zur Arbeitszeit zählt. Im Fahrtenschreiber stellst du dafür auf „andere Arbeit“. Fehlt dieser Eintrag, sieht es bei einer Kontrolle so aus, als hättest du gar nicht geprüft, und wer andere Arbeiten nicht oder falsch festhält, begeht außerdem eine Ordnungswidrigkeit.

Die 15 Minuten gehen von deiner täglichen Arbeitszeit ab und nicht von deiner Lenkzeit. Ein Beispiel: Wenn deine Schicht um 6 Uhr beginnt, startest du um 6 Uhr mit der Kontrolle und fährst etwa eine Viertelstunde später los. Wenn das bei der Tourenplanung von Anfang an mitgedacht wird, startest du entspannt in den Tag statt gehetzt. Ist die Abfahrtszeit zu knapp geplant, sprich es ruhig in der Disposition an. Wie Lenk-, Arbeits- und Ruhezeiten zusammenhängen, erklären wir ausführlich in unserem Artikel zu den Lenk- und Ruhezeiten.

Was tun, wenn du einen Mangel findest?

Kleinigkeiten wie eine verschmutzte Leuchte oder einen lockeren Gurt kannst du meist selbst beheben. Gib trotzdem kurz Bescheid, und alles andere meldest du deinem Vorgesetzten oder der Disposition.

Gefährdet der Mangel die Sicherheit, bleibt der LKW stehen. So sieht es die Unfallverhütungsvorschrift vor, und das gilt auch dann, wenn die Tour drängt. Ein defektes Bremslicht oder ein beschädigter Reifen ist kein Grund, „nur noch schnell“ loszufahren.

Am besten notierst du dir den Mangel kurz mit der Uhrzeit. So kannst du später jederzeit zeigen, dass du ihn gemeldet hast.

Warum schützt die Routine dich selbst?

Auf den ersten Blick wirkt die Abfahrtskontrolle wie ein Pflichtprogramm, das den Start verzögert. In Wahrheit ist sie dein bester Schutz.

Kommt es zu einem Unfall oder einer Kontrolle, lautet eine der ersten Fragen: Hat der Fahrer sein Fahrzeug geprüft? Wenn du die Kontrolle gemacht und im Fahrtenschreiber festgehalten hast, bist du auf der sicheren Seite. Wer dagegen etwas Offensichtliches übersieht, kann unter Umständen selbst haften. Wann der Fahrer haftet und wann die Spedition, liest du in unserem Artikel zu Rechten und Pflichten als LKW-Fahrer.

Und dann ist da noch der einfachste Grund: Du sitzt jeden Tag in diesem Fahrzeug. Wenn die Bremsen nicht sauber ziehen, bist du der Erste, der es zu spüren bekommt.

Häufige Fragen
Ist die Abfahrtskontrolle Pflicht?

Ja. Sie ergibt sich aus § 23 StVO und der Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 70. Danach prüfst du als Fahrer vor Beginn jeder Arbeitsschicht, ob die Sicherheitseinrichtungen funktionieren.

Zählt die Abfahrtskontrolle als Arbeitszeit?

Ja, sie gilt als „andere Arbeit“ und muss deshalb im Fahrtenschreiber festgehalten werden.

Wie lange sollte eine Abfahrtskontrolle dauern?

Eine gesetzliche Mindestdauer gibt es nicht. Als Richtwert für eine gründliche Kontrolle gelten rund 15 Minuten.

Muss ich auch den Anhänger prüfen?

Ja. § 23 StVO spricht ausdrücklich vom Fahrzeug, vom Zug und von der Ladung, deshalb gehören Anhänger und Auflieger mit zur Abfahrtskontrolle.

Was passiert, wenn ich einen Mangel finde?

Kleine Mängel behebst du selbst und gibst trotzdem kurz Bescheid, alles andere meldest du deinem Vorgesetzten. Gefährdet der Mangel die Sicherheit, darfst du nicht losfahren.

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GESCHRIEBEN VON

Christopher Röskes

CEO

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Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Für individuelle Fälle empfehlen wir die Beratung durch eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Verkehrsrecht.

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